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Buch des Monats Juli

Titel

roses are still roses

Autor

Multerer, Gerhard/Petrarca

Edition

Multerer Gerhard (Selbstverlag)

Jahr

1998

Künstler

Multerer, Gerhard

OrtOhne Ort (Freilassing)
LandDeutschland
TechnikMischtechnik
AusstattungNicht paginiert (19 Blatt), 38 x 37 cm Papp-/Filzband mit Leinenrücken in privater Kassette
AuflageUnikatbuch
AnmerkungenAuf dem vorderen Buchdeckel außen und dem hinteren Buchdeckel innen und außen datiert und signiert. (Hinten innen mit dem Vermerk "fünf Monate über petrarca nachgedacht/12.00 bis 14.00 Papier beschafft/15.00 bis 24.00 roses are still roses"). Der Text von Petrarca, der das Reisen zum Thema hat, wird der Ausgangspunkt für diese künstlerische Arbeit Multerers. ("... und es gehen die Menschen zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfließenden Ströme und den Saum des Ozeans und Kreisbahn der Gestirne und haben nicht acht ihrer selbst/1336") Auf einem der Hölzer, die den Buchblock zusammenhalten, findet sich der Satz "Ein Buch ist ein Berg aus Wörtern", gleich daneben die schwarze Silhouette eines Berges, betitelt "Mont Ventoux"; der Berg, den Petrarca im Mittelalter bestieg. Die Verletzlichkeit des Menschen auf seiner Suche nach der "Realisation der Realität" dokumentieren die aggressiven Zerstörungen der nächsten beiden und vieler weiterer Doppelseiten. Nach dem eingangs erwähnten Text von Petrarca setzt der Künstler immer wieder Schlagworte und Satzfragmente in seine Malereien: "focus in season", "rosenblätter", "doppelklang". Schönheit und Vernichtung stehen direkt nebeneinander ("ROSE GARDEN/BATTLE FIELD"), die schwarzen Rosen sind weiß gehöht und geben Vorahnung des Dunklen: "Es brach eine Schlacht aus, wer herrschen soll von den beiden Menschen in mir/wenn ich mich als Tier behandle antwortet ein Mensch wenn ich mich als Mensch behandle antwortet ein Tier". Eine der ergreifendsten Doppelseiten findet sich zum Schluss: Ein liegender Mann in schwarz, in der Hand weiße Rosen. Der darüberstehende Satz wird zum Motto des Buches. "Ich ernähre mich aus meinen Verletzungen." Abschließend imaginiert der Künstler noch ein Telefonat mit Petrarca, das er mit den Worten enden läßt "... spürte ich, daß ich ihn niemals wiedersehen werde." Auf der hinteren Holzleiste ist vermerkt "nihil enim contra naturam bene fit". Der Einband des Buches ist mit einer durchsichtigen Plastikfolie bezogen, auf dem sich folgender Satz (in Lateinisch und Deutsch) findet: "Amo, sed quod non amare amem, quod odisse cupiam"/"Ich liebe, aber das, was ich lieber nicht liebte, das was ich zu hassen wünschte". Die Seiten des Buches bestehen aus Schießscheiben, die bei der Polizei Verwendung fanden und bei denen die geschossenen Löcher überklebt wurden, um sie weiter verwenden zu können. Dies ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, da der Künstler die Seiten künstlerisch transformiert; sie werden zu Wunden, die dem zerrissenen Menschen bei seinem Versuch, Menschlichkeit zu gewinnen, zugefügt werden. Beigegeben sind dem Buch in einer vom Künstler mit "a gunman named reinhard had two shots" (signiert und datiert "17. Mai 1998") beschrifteten Hülle zwei Seiten, die den Originalzustand einer Seite und deren Überarbeitung aufzeigen, weiterhin drei Fotos, die den Künstler bei der Beschriftung dieser Hülle zeigen, ein Mail-Art Brief des Künstlers mit einem Verzeichnis seiner bis dahin entstandenen Bücher und deren Käufern, Informationen (mit Preisangaben) zu weiteren Büchern, ein signierter und datierter Weihnachtsgruß mit einem Schreiben der Deutsche Post AG, die sich dafür entschuldigt, dass der Brief ohne Inhalt bei ihr vorgefunden wurde und dadurch dokumentiert, wie wenig der Betreffende von dieser künstlerischen Botschaft verstand.