Moderne Buchkunst seit 1960 - Eine private Sicht -  
   

Thomas Offhaus - Deutschland

E-Mail vom 02.02.2004

- Warum machst Du Künstlerbücher?

Bücher, egal welcher Art, zu erfahren, ist ein Geheimnis. Bücher zu machen - auch. Man bindet sich an sie, verliert sich in ihnen, man sucht und findet sich in ihnen wieder. Diese Reise bedarf keiner besonderen Räume, keiner Inszenierungen, keiner Institutionen. Sie findet einfach im Inneren statt, getragen von wunderbarem Material. Bücher sind im wahrsten Sinne des Wortes multimedial, eben weil sie immer an den Geruch der Erde gebunden bleiben. Ein Buch gibt sein Geheimnis nie wirklich preis. Man muss es erfahren wollen und in den Händen halten.

 

- Wie arbeitest Du mit dem Text, wenn Du an einem KüBu arbeitest?
(entwickelst Du erst ein Konzept, oder spielt der Text die wichtigste Rolle oder hast Du Bilder im Kopf, die der Text reflektiert?)

Ein Text kann einen Arbeitsprozess (auch ein Buchkonzept) initiieren. Ein Text kann sich finden bei der Arbeit an Bildern.

 

- Wie sollte das Verhältnis zwischen Text und Bild für Dich sein?

Im günstigsten Falle verhalten sich Text und Bild zueinander wie zwei Flüsse, die der gleichen Quelle entspringen. Sicherlich ist es legitim, einen Text zu illustrieren. Aber eine solche Arbeit, wenn auch noch so kunstvoll, ist für mich kein Künstlerbuch. Bilder, die zu einem Text entstehen, müssen sich im Geiste zu ihm verhalten, aber auch ihre eigene Geschichte erzählen, können Kontrapunkt sein. Im Spannungsfeld zwischen beiden künstlerischen Äusserungen entsteht das eigentlich Faszinierende am Künstlerbuch, sollten sich Text oder Bild dem anderen unterzuordnen versuchen, verliert das Buch.